Hepatologie

Beat Müllhaupt

Nicht-alkoholtoxische und alkoholtoxische Lebererkrankung
Eine zur Prävalenz von Lebererkrankungen durchgeführte prospektive Erhebung ergab, dass von den 1'118 Personen mit erhöhten Transaminasewerten 26,4 Prozent an einer nicht-alkoholtoxischen Lebererkrankung litten und 7,6 Prozent dieser Patienten eine fortgeschrittene Fibrose entwickelt hatten [1]. Nach einer französischen Studie kann bei Patienten mit einer schweren alkoholtoxischen Lebererkrankung das Mortalitätsrisiko aufgrund des Lille-Modells, das auf den sechs Variablen Alter, Niereninsuffizienz, Albuminwert, Prothrombinzeit sowie Bilirubinspiegel zu Beginn und nach sieben Tagen beruht, relativ zuverlässig abgeschätzt werden [2]. Die frühe Lebertransplantation führte bei 26 Patienten mit einer schweren alkoholtoxischen Lebererkrankung, die gemäss dem Lille-Modell ein hohes Mortalitätsrisiko trugen, zu einer deutlichen Verbesserung der Überlebenswahrscheinlichkeit nach 6 Monaten [3].

Virale Hepatitiden
Die Reversibilität der Leberzirrhose bei der chronischen Hepatitis-B-Virusinfektion geht aus einer offenen Weiterführung von zwei ursprünglich auf ein Jahr angelegten Doppelblindstudien hervor, in welcher unter der Langzeittherapie mit Tenofovir nach fünf Jahren bei 74 Prozent von 96 Patienten ein Rückgang der Zirrhose erreicht wurde [4].

Ein entscheidender Fortschritt zeichnet sich bei der Behandlung der chronischen Hepatitis C ab, da verschiedene neue, oral verabreichbare Substanzen aufgrund der Daten von ersten klinischen Studien eine hohe antivirale Wirksamkeit vermuten lassen und damit in Zukunft eine interferonfreie Therapie ermöglichen könnten. So wurde gemäss einer Zwischenauswertung einer offenen Studie, an der 362 bisher unbehandelte Patienten mit einer chronischen Hepatitis C vom Genotyp 1 teilnahmen, unter der Kombinationstherapie mit dem Proteaseinhibitor Faldaprevir (BI201335) und dem nicht-nukleosidischen Polymeraseinhibitor BI207127 – sofern zusätzlich Ribavirin verabreicht wurde – je nach Dosierungsschema und Behandlungsdauer bei bis zu 68 Prozent der Patienten eine anhaltende Viruselimination erreicht [5]. Als weiterer vielversprechender Ansatz hat sich die zwölfwöchige Kombinationstherapie mit dem Uridinnukleotid-Analogon Sofosbuvir (GS-7977) und Ribavirin erwiesen, die nach ersten Resultaten einer randomisierten Studie mit 10 behandlungsnaiven Patienten mit einer chronischen Hepatitis C vom Genotyp 2 oder 3 nach zwölf Wochen bei allen Patienten zu einer dauerhaften Viruselimination führte und damit dieselbe Wirksamkeit zeigte wie die zwölfwöchige Kombinationstherapie mit Sofosbuvir (GS-7977) und Ribavirin bei gleichzeitiger Verabreichung von pegyliertem Interferon-alfa über 4, 8 oder 12 Wochen [6].

Das zuverlässigste Kriterium zur Identifikation von Patienten mit einer primären biliären Zirrhose, die unter einer Therapie mit Ursodeoxycholsäure eine günstige Prognose besitzen, stellt gemäss einer französischen Studie mit 165 Patienten die Kombination einer Verbesserung der alkalischen Phosphatase- und Aspartataminotransferasenwerte auf weniger als das 1,5-fache des oberen Normwertes zusammen mit einem normalen Bilirubinspiegel dar [7].

Leberzirrhose und portale Hypertonie
Wie aus einer Studie aus Taiwan mit 95 Patienten mit akuter Magenvarizenblutung hervorgeht, bewirkt die zusätzlich zur Verödung mit Histoacryl erfolgende Verabreichung eines nichtselektiven Betarezeptorenblockers gegenüber der alleinigen Obturation keine Verringerung des Risikos für Rezidivblutungen und keine Verbesserung des Überlebens [8]. Zur Beurteilung des Komplikationsrisikos bei einer chronischen Lebererkrankung wurde die Messung der Lebersteifigkeit mittels der transienten Elastographie geprüft, welche in einer prospektiven Studie mit 100 Patienten ungefähr die gleiche Sensitivität und Spezifität zeigte wie die transjugulare Druckmessung [9].

Prof. Dr. med. Beat Müllhaupt
Leitender Arzt
Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie
Universitätsspital Zürich
beat.muellhaupt@usz.ch


Literatur

1.

Armstrong MJ, Houlihan DD, Bentham L, et al. Presence and severity of non-alcoholic fatty liver disease in a large prospective primary care cohort. J Hepatol 2012; 56: 234–240.
2.Louvet A, Naveau S, Abdelnour M, et al. The Lille model: a new tool for therapeutic strategy in patients with severe alcoholic hepatitis treated with steroids. Hepatology 2007; 45: 1348–1354.
3.Mathurin P, Moreno C, Samuel D, et al. Early liver transplantation for severe alcoholic hepatitis. N Engl J Med 2011; 365: 1790–1800.
4.Marcellin P, Buti M, Gane EJ et al. Five years of treatment with tenofovir DF (TDF) for chronic hepatitis B (CHB) infection is associated with sustained viral suppression and significant regression of histological fibrosis and cirrhosis. Hepatology 2011; 54 (Supplement S1): 1011A: A1375.
5.Zeuzem S, Soriano V, Asselah T, et al. SVR4 and SVR12 with an interferon-free regimen of BI 201335 and BI 207127 +/- ribavirin, in treatment-naive patients with chronic genotype-1 HCV infection. Interim results of SOUND-C2. J Hepatol 2011; 56 (Supplement 2): S45: 101.
6.Gane EJ, Stedman CA, Hyland RH, et al. Once daily PSI-7977 plus RBV: pegylated interferon-alfa not required for complete rapid viral response in treatment-naive patients with HCV GT2 or GT3. Hepatology 2011; 54 (Supplement S1): A377: A34.
7.Corpechot C, Chazouillères O and Poupon R. Early primary biliary cirrhosis: biochemical response to treatment and prediction of long-term outcome. J Hepatol 2011; 55: 1361–1367.
8.Hung HH, Chang CJ, Hou MC, et al. Efficacy of non-selective β-blockers as adjunct to endoscopic prophylactic treatment for gastric variceal bleeding: a randomized controlled trial. J Hepatol 2012; 56: 1025–1032.
9.Robic MA, Procopet B, Métivier S, et al. Liver stiffness accurately predicts portal hypertension related complications in patients with chronic liver disease: a prospective study. J Hepatol 2011; 55: 1017–1024.

 


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