Kolorektales Karzinom und Reizdarm

Peter Bauerfeind

Kolorektales Karzinom

Für den Nachweis von kolorektalen Karzinomen mittels genetischer Stuhltests wurde vor fünf Jahren eine Pilotstudie veröffentlicht, die für einen Multitarget-Assay-Panel eine Sensitivität von 91 Prozent und eine Spezifität von 93 Prozent ergab [1]. Dieses ermutigende Resultat konnte nun aber in einer grossen prospektiven Multizenterstudie mit 2'502 Personen nicht bestätigt werden, da kolorektale Karzinome mit dem Multitarget-Assay-Panel nur in 35 Prozent der Fälle nachgewiesen wurden [2]. Um mit der Koloskopie vergleichbar zu sein, müssten genetische Stuhltests mit einer Sensitivität von 65 Prozent für den Nachweis eines kolorektalen Karzinoms und mit einer Sensitivität von 40 Prozent für die Identifikation von grossen Polypen alle 2 Jahre durchgeführt werden und höchstens 195 US-Dollar kosten [3]. Zur diagnostischen Zuverlässigkeit der virtuellen Koloskopie ergab eine Metaanalyse von 33 Studien und 6'393 Patienten eine stark variierende Sensitivität von 86 Prozent für Polypen mit einer Grösse über 9 Millimetern und von lediglich 48 Prozent für Polypen mit einer Grösse unter 6 Millimetern, weshalb diese Methode im Moment noch nicht für die breite Anwendung empfohlen werden kann [4].

Bezüglich der Prävention des kolorektalen Karzinoms zeigte eine Fallkontrollstudie mit 3'968 Teilnehmern, dass das relative Risiko für ein kolorektales Karzinom durch die langfristige Anwendung eines Statins um 47 Prozent reduziert wird [5]. Die in einer prospektiven Studie mit 2'586 Patienten für den selektiven Cyclooxygenase-2-Inhibitor Rofecoxib im Vergleich zu Plazebo gefundene Reduktion der Inzidenz von kolorektalen Polypen war zwar statistisch signifikant, aber enttäuschend klein [6].

Der vermutete Zusammenhang zwischen einer endogenen Hyperinsulinämie und einem erhöhten Risiko für ein kolorektales Karzinom wird durch die Resultate einer retrospektiven Kohortenstudie gestützt, welche bei den 3'160 insulinpflichtigen Diabetikern ein um den Faktor 2,1 höheres Risiko für ein kolorektales Karzinom ergab als bei den 21'785 nicht mit Insulin behandelten Diabetikern [7]. Entgegen früherer Bedenken zeigte eine Multizenterstudie mit 872 Patienten mit einem kolorektalen Karzinom, dass die laparoskopische Kolektomie nach einer Nachbeobachtungsdauer von 4,4 Jahren mit einer ähnlichen Rezidivrate und einer ähnlichen Überlebenszeit einherging wie die offene Chirurgie und damit eine annehmbare Alternative darstellt [8]. Gemäss einer deutschen Studie mit 824 Patienten, die an einem fortgeschrittenen Rektumkarzinom litten, konnte durch die präoperative Radiochemotherapie im Vergleich zur postoperativen Radiochemotherapie eine signifikante Verringerung der Inzidenz von Rezidiven erreicht werden, was aber zu keiner Verlängerung der Überlebenszeit führte [9]. Die Verwendung von Spasmolytika zur Erleichterung der Koloskopie kann aufgrund der Resultate von zwei Studien, welche für die intravenöse Verabreichung von Hycoscin gegenüber Plazebo keine Vorteile ergaben, nicht empfohlen werden [10, 11]. Demgegenüber konnte in einer anderen Studie durch ein Getreideöl, das zusätzlich zum Standardgleitgel portionenweise über den Biopsiekanal abgegeben wurde, im Vergleich zur alleinigen Verwendung des Standardgleitgels eine Vereinfachung der Koloskopie sowie eine Verringerung der Schmerzen erzielt werden [12].

Colon irritabile

Zur medikamentösen Behandlung des Colon irritabile ergaben zwei offene Studien, dass die zwölfwöchige Behandlung mit Tegaserod bei einem beträchtlichen Anteil der Patienten mit einem von Konstipation geprägten Reizdarmsyndrom eine Linderung der Symptome bewirkt, wobei aber die Mehrheit dieser Patienten nach Beendigung der Behandlung einen Rückfall erlitt [13, 14]. Die Wirksamkeit von Tegaserod konnte in zwei Doppelblindstudien auch für die Behandlung der chronischen Obstipation belegt werden, da nach einer zwölfwöchigen Behandlung mit Tegaserod im Vergleich zu Plazebo bei einem signifikant grösseren Anteil der Patienten ein Rückgang der Symptome verzeichnet wurde [15, 16].

Im Zusammenhang mit der diagnostischen Abklärung von Patienten mit Bauchschmerzen wurde in einer Studie mit 568 Teilnehmern anhand einer Modellrechnung gezeigt, dass ein Symptombeginn über 50 Jahre sowie Blut im Stuhl die wichtigsten Kriterien zur Unterscheidung zwischen einer organischen Darmerkrankung und einem Reizdarmsyndrom darstellen [17]. Zur Bedeutung von Darmbakterien bei der Pathogenese des Reizdarmsyndroms wurden drei Studien durchgeführt, die interessante, aber zurzeit für die Praxis noch nicht relevante Ergebnisse lieferten. So konnte in einer kleinen finnischen Studie gezeigt werden, dass Patienten mit einem Reizdarmsyndrom gegenüber gesunden Kontrollpersonen eine veränderte Darmflora aufweisen [18]. Die Behandlung der chronischen Obstipation mit Polyethylenglykol bewirkte in einer Multizenterstudie mit 59 Patienten eine stärkere Veränderung der Darmflora als Laktulose, wobei die Wirksamkeit und Verträglichkeit in beiden Behandlungsgruppen ähnlich war [19]. Nach den Resultaten einer weiteren Studie erkrankten 61 von 169 gesunden Studenten aus Nordamerika während eines Aufenthaltes in Mexiko an einer Reisediarrhö, die nach der Rückkehr in 11 Prozent der Fälle zu einem Reizdarmsyndrom führte [20].

PD Dr. med. Peter Bauerfeind
Leitender Arzt
Abteilung für Gastroenterologie
Universitätsspital Zürich
peter.bauerfeind@dim.usz.ch

Literatur

  1. Ahlquist DA, Skoletsky JE, Boynton KA, et al. Colorectal cancer screening by detection of altered human DNA in stool: feasibility of a multitarget assay panel. Gastroenterology 2000; 119: 1219–1227.
  2. Ahlquist DA, Sargent DJ, Levin TR, et al. Stool DNA screening for colorectal cancer: prospective multicenter comparison with hemoccult. DDW 2005, Abstract 424.
  3. Song K, Fendrick AM and Ladabaum U. Fecal DNA testing compared with conventional colorectal cancer screening methods: a decision analysis. Gastroenterology 2004; 126: 1270–1279.
  4. Mulhall BP, Veerappan GR and Jackson JL. Meta-analysis: computed tomographic colonography. Ann Intern Med 2005; 142: 635–650.
  5. Poynter JN, Gruber SB, Higgins PD, et al. Statins and the risk of colorectal cancer. N Engl J Med 2005; 352: 2184–2192.
  6. Bresalier RS, Sandler RS, Bolognese J, et al. A randomized trial of rofecoxib to prevent colorectal adenomas: the Approve trial. DDW 2005, Abstract 200.
  7. Yang YX, Hennessy S and Lewis JD. Insulin therapy and colorectal cancer risk among type 2 diabetes mellitus patients. Gastroenterology 2004; 127: 1044–1050.
  8. A comparison of laparoscopically assisted and open colectomy for colon cancer. A comparison of laparoscopically assisted and open colectomy for colon cancer. N Engl J Med 2004; 350: 2050–2059.
  9. Sauer R, Becker H, Hohenberger W, et al. Preoperative versus postoperative chemoradiotherapy for rectal cancer. N Engl J Med 2004; 351: 1731–1740.
  10. Mui LM, Ng EK, Chan KC, et al. Randomized, double-blinded, placebo-controlled trial of intravenously administered hyoscine N-butyl bromide in patients undergoing colonoscopy with patient-controlled sedation. Gastrointest Endosc 2004; 59: 22–27.
  11. Yoong KY, Perkin D, Portal J, et al. Intravenous hyoscine as a premedication for colonoscopy: a randomized double-blind controlled trial. Endoscopy 2004; 36: 720–722.
  12. Brocchi E, Pezzilli R, Bonora M, et al. Oil-lubricated colonoscopy: easier and less painful? Endoscopy 2005; 37: 340–345.
  13. Muller-Lissner S, Holtmann G, Rüegg P, et al. Tegaserod is effective in the initial and retreatment of irritable bowel syndrome with constipation. Aliment Pharmacol Ther 2005; 21: 11–20.
  14. Bardhan KD, Forbes A, Marsden CL, et al. The effects of withdrawing tegaserod treatment in comparison with continuous treatment in irritable bowel syndrome patients with abdominal pain/discomfort, bloating and constipation: a clinical study. Aliment Pharmacol Ther 2004; 20: 213–222.
  15. Kamm MA, Muller-Lissner S, Talley NJ, et al. Tegaserod for the treatment of chronic constipation: a randomized, double-blind, placebo-controlled multinational study. Am J Gastroenterol 2005; 100: 362–372.
  16. Johanson JF, Wald A, Tougas G, et al. Effect of tegaserod in chronic constipation: a randomized, double-blind, controlled trial. Clin Gastroenterol Hepatol 2004; 2: 796–805.
  17. Hammer J, Eslick GD, Howell SC, et al. Diagnostic yield of alarm features in irritable bowel syndrome and functional dyspepsia. Gut 2004; 53: 666–672.
  18. Malinen E, Rinttila T, Kajander K, et al. Analysis of the fecal microbiota of irritable bowel syndrome patients and healthy controls with real-time PCR. Am J Gastroenterol 2005; 100: 373–382.
  19. Bouhnik Y, Neut C, Raskine L, et al. Prospective, randomized, parallel-group trial to evaluate the effects of lactulose and polyethylene glycol-4000 on colonic flora in chronic idiopathic constipation. Aliment Pharmacol Ther 2004; 19: 889–899.
  20. Okhuysen PC, Jiang ZD, Carlin L, et al. Post-diarrhea chronic intestinal symptoms and irritable bowel syndrome in North American travelers to Mexico. Am J Gastroenterol 2004; 99: 1774–1778.

 


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