Gastrointestinale Tumoren und Endoskopie

Thomas Rösch

Kapsel-Endoskopie

Mit den inzwischen vorliegenden Resultaten verschiedener abgeschlossener Studien konnte gezeigt werden, dass die drahtlose Kapsel-Endoskopie bei gastrointestinalen Blutungen ein wertvolles diagnostisches Verfahren zur Lokalisation der Läsionen darstellt. So lag der Anteil der Patienten, bei denen mit der drahtlosen Kapsel-Endoskopie die Ursache der gastrointestinalen Blutungen entdeckt wurde, in vier kleineren Studien zwischen 31 und 83 Prozent und war damit wesentlich höher als bei der Push-Enteroskopie, mit welcher die Läsionen lediglich bei 21 bis 39 Prozent der Patienten nachgewiesen wurden [14]. Ausserdem wurde mit der drahtlosen Kapsel-Endoskopie im Rahmen einer Multizenterstudie bei 70 Prozent der Patienten die Ursache der Blutungen gefunden, wobei diese Läsionen bei 55 Prozent der Patienten mit den diagnostischen Standardmethoden nicht erkennbar waren [5]. Die Resultate von drei weiteren Studien weisen darauf hin, dass mit Hilfe der Kapsel-Endoskopie auch bei Verdacht auf einen Morbus Crohn eine grössere Anzahl Läsionen entdeckt werden kann als mit den radiologischen Standardverfahren [68]. Demgegenüber kann die diagnostische Bedeutung der Kapsel-Endoskopie zur Untersuchung von Patienten mit unerklärbaren Bauchschmerzen anhand der verfügbaren Daten noch nicht beurteilt werden, obwohl in gewissen Fällen pathologische Befunde erhalten wurden [9, 10].

Endoskopische Antirefluxtherapie

Für die endoskopische Antirefluxtherapie werden zur Zeit vier verschiedene Verfahren geprüft, die als Alternative zur medikamentösen Langzeitbehandlung und zur Fundoplikation eingesetzt werden können. Dabei führte die Methode des endoskopischen Nähens in drei unkontrollierten Studien bei ungefähr zwei Dritteln bis drei Vierteln der Patienten mit einer Refluxkrankheit zu einem Rückgang der Symptome, obwohl eine nur geringfügige Verkürzung der Säureexpositionsdauer im Ösophagus verzeichnet wurde [1113]. Ausserdem ergab eine weitere Studie zur Beurteilung des endoskopischen Nähens, dass nach 14 Wochen nur noch 39 Prozent der Nähte und nach 29 Wochen sogar nur noch 8 Prozent der Nähte intakt waren [14].

Die Radiofrequenztherapie bewirkte in drei unkontrollierten Studien bei rund drei Vierteln der Patienten eine signifikante Linderung der Refluxsymptome, wobei aber wiederum eine nur geringe Verbesserung der gastroösophagealen Säurekontrolle verzeichnet wurde [1517]. Darüber hinaus wurde in einer doppelblinden Multizenterstudie bei Patienten mit einer Refluxkrankheit durch die Anwendung der Radiofrequenztherapie eine deutlich stärkere Abnahme der Refluxsymptome erreicht als in der Kontrollgruppe, wogegen bezüglich der Verringerung der Säureexpositionsdauer im Ösophagus und des Bedarfs an Protonenpumpeninhibitoren zwischen den beiden Gruppen kein Unterschied festgestellt wurde [18].

Die Ergebnisse von zwei unkontrollierten Studien zur Wirksamkeit der Injektionstherapie ergaben bei Patienten mit einer Refluxkrankheit in ungefähr drei Vierteln der Fälle einen deutlichen Rückgang der Symptome, und gleichzeitig wurde eine geringfügige Abnahme der mittleren Säureexpositionszeit im Ösophagus festgestellt [19, 20]. Darüber hinaus weisen erste Resultate von zwei kontrollierten Multizenterstudien darauf hin, dass auch durch die Implantationstherapie und die Vollwandplikatur bei Patienten mit einer Refluxkrankheit eine Verbesserung der Symptomatik und der gastroösophagealen Säurekontrolle erzielt werden kann [21, 22].

Erweiterte Bildgebung

Im Bestreben, einen möglichst zuverlässigen Nachweis von neoplastischem Gewebe zu erreichen, hat in den vergangenen Jahren eine stetige Weiterentwicklung der Endoskopie stattgefunden. Mit Hilfe der Zoom-Endoskopie konnte nach der Kontrastverstärkung mit Essigsäure villöses und zerebriformes Mukosagewebe gegenüber netzförmigem und drüsigem Mukosagewebe abgegrenzt werden, was die Identifikation von Neoplasien der Kardia mit einer Treffsicherheit von über 90 Prozent ermöglichte [23]. Nach den Resultaten von zwei weiteren Studien stellen die Zoom-Endoskopie und die Chromo-Endoskopie nach der Kontrastverstärkung mit Methylenblau geeignete Methoden zur Spezifikation von Metaplasien im Barrett-Ösophagus dar, wobei die Zuverlässigkeit bei längeren Segmenten wesentlich höher ist als bei kürzeren Segmenten [24, 25]. Ausserdem konnte in einer kleineren Studie bei Patienten mit Verdacht auf einen Barrett-Ösophagus mit der Zoom-Endoskopie nach der Kontrastverstärkung mit Indigokarmin der Barrett-Ösophagus mit einer Treffsicherheit von 97 Prozent nachgewiesen werden, während Dysplasien sogar mit einer Zuverlässigkeit von 100 Prozent identifiziert wurden [26].

Gemäss den Resultaten einer kontrollierten Studie wurde mit der Koloskopie nach der Kontrastverstärkung mit Indigokarmin im Vergleich zur Standard-Koloskopie eine signifikant grössere Anzahl kleiner Adenome entdeckt, und zudem wurden bei einem deutlich grösseren Anteil von Patienten mindestens drei Adenome gefunden [27]. Darüber hinaus ermöglichte die Koloskopie nach der Kontrastverstärkung mit Methylenblau im Vergleich zur konventionellen Koloskopie bei Patienten mit einer Colitis ulcerosa eine wesentlich bessere Beurteilung der Aktivität und des Schweregrades der Entzündung, wobei gleichzeitig eine signifikant grössere Anzahl von intraepithelialen Neoplasien entdeckt wurde [28].

Die Ergebnisse einer Studie zum diagnostischen Potenzial der Ramanspektroskopie zeigen, dass mit dieser Methode adenomatöse und hyperplastische Polypen mit einer Treffsicherheit von 95 Prozent unterschieden werden konnten [29]. Des weiteren wurden bei Patienten mit einem Barrett-Ösophagus mit Hilfe der Fluoreszenzspektroskopie nach der Applikation von 5-Aminolävulinsäure signifikant häufiger Dysplasien bei einer geringeren Anzahl entnommener Biopsien entdeckt als mit der konventionellen Endoskopie, wobei mit der Fluoreszenzspektroskopie gleichzeitig auch niedriggradige Dysplasien von nicht-dysplastischer Barrett-Mukosa abgegrenzt werden konnten [30].

Prof. Dr. med. Thomas Rösch
Leitender Oberarzt Endoskopie
Medizinische Klinik II
Klinikum rechts der Isar
Technische Universität München
Thomas.Roesch@lrz.tu-muenchen.de

Literatur

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Universitätsspital Zürich

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